Widersprüchliche Ratschläge: Akzeptieren oder endlich tun, was ich wirklich will?

Bist Du auch schonmal über widersprüchliche Ratschläge gestolpert? Du sollst vergeben, spürst aber dass sich alles in Dir dagegen wehrt. Du sollst bedingungslos lieben und bist in einer Beziehung mit jemandem, der Dich emotional und verbal missbraucht. Du sollst im Hier und Jetzt sein, obwohl Du inneres Chaos verspürst und in dem Moment noch nicht Mal verstehst, was damit gemeint ist. Du sollst Dich ständig für alles bedanken, obwohl Du Dich manchmal im Leben nicht mal willkommen fühlst.

Kaum etwas ist jedoch so missverständlich, irreführend und kontraproduktiv, wie der Rat: Akzeptiere das.

„Akzeptiere“ heisst oft übersetzt: Finde etwas ok, was Du nicht magst. Zwinge Dich dazu, etwas zu tolerieren, was Du nicht tolerieren kannst. Nötige Dich selbst dazu, in einer Situation zu verharren, die Du verlassen willst. Bleibe in einer toxischen Situation und toleriere Übergriffe und Verletzungen. Und das am besten mit bedingungsloser Liebe.

Und es hängt noch etwas dran.

Der Subtext unter dem Subtext heisst: solange Du das nicht kannst, wird Dein Leben nicht besser.

Ich soll mich also weiter verletzen lassen, um irgendwann nicht mehr verletzt zu werden. Und wenn ich das nicht schaffe, mich wehrlos weiter verletzen zu lassen, dann werde ich es nie schaffen aus der toxischen Situation heraus zu gehen; was ich ja eigentlich nicht darf. Oder wie?

Das kann man noch weiter spinnen; es wird immer abstruser. Es gleicht einer Rechenaufgabe in der zu einem frühen Zeitpunkt ein Fehler gemacht wurde. Damit ist der gesamte folgende Rechenweg falsch.

Wo ist nun der Fehler bei dem Ratschlag, man solle alles akzeptieren?

Wir sind gewohnheitsgemäss mit unserer Aufmerksamkeit wenig bei uns selbst. Wir schauen nach außen, auf Menschen, Situationen und Ereignisse. Oder aber wir sind in Gedanken verloren; irgendwo unterwegs, aber mit unserer Präsenz selten „da“. Was uns dabei oft viele Jahre völlig entgeht ist, wie wir uns wirklich fühlen. Wir bemerken unser Fühlen erst ab einem bestimmten Stärkegrad; wenn es sehr weh tut. Oder wenn es sehr schön ist. Oder wenn wir uns ordentlich ärgern. Oder aber wir spüren uns dumpf; ein Unwohlsein oder eine Beklemmung, um dann gleich wieder von dem nächsten gedanklichen oder äußeren Impuls abgelenkt und mitgerissen zu werden.

Wir sind also selten ganz bei uns selbst; spüren, wie es uns wirklich geht; ob uns etwas stört oder verletzt. Wir merken das schlichtweg zu spät; dann ist es sozusagen schon passiert. Dann gibt es eine äußere Situation, die schmerzhaft oder ärgerlich ist. Oder einen Gedankengang, der die gleiche Wirkung haben kann.

Wenn wir nun „Akzeptieren“ sollen, dann denken wir als erstes, wir sollten die Situation akzeptieren, in der wir sind. Daran kann man nur scheitern, weil das garnicht geht und weil es nicht mal darum geht.

Auf meinem YouTube Kanal findest du viele weiterführende Videos zu den Themen Toxische Beziehung, Geliebte sein und Hochsensibilität.

Wo gehört der Begriff Akzeptanz denn hin?

Ich schliesse mich dem amerikanischen Sprecher Matt Kahn an, der vorschlägt „I accept“ in „It’s okay“ umzuwandeln. Also anstatt sich selbst mit dem verbalen Monument „Ich akzeptiere“ zu erschlagen, ersetze man es durch: „Es ist okay.“

Es ist okay, dass ich so fühle. Es ist okay, dass ich das nicht mag. Es ist okay, dass ich mich mit diesem Menschen in meinem Leben nicht mehr wohlfühle. Es ist okay, stocksauer zu sein. Es ist okay, dass ich heute alle auf den Mond schiessen will.

Ist die Erleichterung spürbar?

Mit dem kleinen Satz „Es ist okay“ fällt es viel leichter die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten:

Auf das, was man fühlt und nicht mehr auf die äußere Situation! Denn die kann man und muss man nicht akzeptieren. Wer oft verletzt worden ist, wird sich zu recht bedanken, wenn er weiter Mobbing, Kleingehaltenwerden, Bevormundung, Entmutigung und Zurückweisung akzeptieren soll. Das ist nicht gesund; gesund hingegen ist es, mich selbst zu spüren; meinen Unmut darüber, meine Trauer darüber; meine Hilflosigkeit vielleicht in einem Moment, in dem ich der Situation nicht entkommen kann. Es ist okay, mein Fühlen und Erleben.

Mit „Es ist okay“ gibst Du Dir selbst die Unterstützung und Liebe, die Du suchst und brauchst, um Dich weiter zu entwickeln. Mit „Es ist okay“ gibst Du Deine Selbstentrechtung auf und Dir selbst alle Rechte zurück. Mit „Es ist okay“ zu Dir, bringst Du Dir selbst bedingungslose Liebe entgegen. Das ist der Grundstein für jedes Geliebt-werden, jedes Gesättigt-werden, jedes Empfangen-können und für die Entfaltung Deiner Schöpferkraft.

Wer hier denkt, dass er durch das bewusste Zulassen des eigenen Fühlens, Dinge manifestiert, die er nicht haben will, sei beruhigt: man fühlt ja nichts Neues, sondern Inhalte die sowieso da sind. Angst zB. ist nur dort giftig und schöpferisch, wo sie im Unbewussten herumtobt. Alles, was bewusst wird, verliert seine zerstörerische Wirkung. Warum geht man denn zum Therapeuten oder sonst wo hin und sucht in sich selbst herum? Um die unbewussten Inhalte kennenzulernen, weil wir alle intuitiv wissen, dass wir uns dann weiterentwickeln. Wie kann da eine Geste der Liebe, ein „Es ist Okay“ zu mir selbst, irgendetwas Unerwünschtes hervorbringen?

Solange wir unser eigenes Fühlen nicht anerkennen, werden wir von anderen erwarten, dass sie es tun und furchtbar enttäuscht sein, wenn das nicht funktioniert. Mit „Es ist okay“ zu unserem eigenen Fühlen, treten wir in Vorleistung.

Man kann und muss Mist nicht akzeptieren. Das geht zum Glück auch nicht wirklich. Wie sollte sich denn sonst etwas im Leben verändern? Wir leiden doch genau daran, dass wir oft nicht spüren können was „richtig und falsch“ ist, wo es lang geht und wo besser nicht. Wieviele Menschen haben Probleme damit, Entscheidungen zu treffen; warum? Weil sie nicht gelernt haben sich selbst und damit ihre Grenzen, ihre Bedürfnisse und ihre Grundethik, die übrigens funktioniert wie eine Schweizer Uhr, wahrzunehmen und diesen Impulsen zu vertrauen. Natürlich liegen auf unserem inneren Kompass viele Schichten an Mustern, Verletzungen, Denkkonventionen, Schuld-und Schamgefühle und und und. Aber all das trägt sich ab, wenn wir es fühlen können und dürfen und wenn wir aufhören dagegen zu kämpfen indem wir es garnicht erst wahrnehmen. Mit einem „Es ist okay“ spürst Du wie es Dir geht und ob Du gerade über Deine Grenzen gehst. Mit „Es ist okay“ beginnst Du wirklich Verantwortung für Dich selbst zu übernehmen.

Veränderung kommt, wenn wir uns die Wahrheit sagen, und zwar die Wahrheit darüber wie es uns geht und darüber was wir erleben und fühlen. Dahinter gehört das Okay!

Und zwar egal, was es ist und wieviel es ist.

Wer sich in Akzeptanz alleine im Außen versucht wird nicht nur daran scheitern; er wird seine Lebensenergie, seine Individualität und seine Schöpferkraft blockieren.

Wer das Okay nach Innen richtet, wird sich nicht nur kennenlernen, sondern die Begrenzungen und Restriktionen lösen und damit die Voraussetzungen schaffen, dass er seinen Träumen nachjagen und sie erfüllen kann.

Tiefe Akzeptanz für alles, ein Unterstrom von Dankbarkeit und bedingungslose Liebe sind keine Werkzeuge, sondern die langfristigen Ergebnisse einer Wendung nach Innen. Wer mit einem „Es ist okay“ zu sich selbst beginnt, hat die Weichen dafür gestellt.

Foto und Beitragsbild:

Tanja Grundmann

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Tanja Grundmann

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