Toxische Beziehung: Warum er dich anstarrt

Kennst du das? Plötzlich stiert dein Partner dich an, oft mit einem fremden Gesichtsausdruck und er scheint das nicht mal zu merken. Nicht selten geschieht das, kurz bevor die Verletzungen, der Streit und die narzisstischen Übergriffe wieder losgehen.

Was fehlt in einem Menschen, der das tut? Oder aber, was muss er dafür können? Und vor allem:

Warum macht er das?

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Im Tierreich gilt Anstarren als Angriffsgeste und wird folglich als aggressiv und als eine Bedrohung wahrgenommen. Bei uns Menschen ist das etwas anders. Während ein langer, tiefer Blick in die Augen eines geliebten Menschen als Ausdruck von Nähe und geistig-emotionaler Intimität gelten kann – in einer Situation, die das zulässt natürlich, zum Beispiel in Momenten der tiefen Übereinstimmung und der Verschmelzung – kann aber auch bei uns ein zu tiefer und zu langer Blick in die Augen, als übergriffig, einschüchternd und als invasiv empfunden werden.

Oft wird das konzentrierte In-die-Augen-schauen auch als Zeichen von Selbstsicherheit gewertet, aber es kippt eben schnell ins Unangenehme. Deshalb gehören hier gesunde Grenzen hin, damit die sogenannte Selbstsicherheit des einen, den anderen nicht mit dem Rücken an die Wand drückt.

Gesunde Grenzen sind nicht nur da, um uns selbst zu schützen, sondern sie gewährleisten auch, dass wir uns anderen Menschen gegenüber rücksichtsvoll, freundlich und zugewandt verhalten können.

Intuitiv wissen wir normalerweise, wo ein tiefer Blick in die Augen hingehört, oder wo man auch mal ganz selbstsicher, dem Gesprächspartner ins Gesicht schaut, ohne dauernd zu blinzeln, seinem Blick auszuweichen oder in der Luft herum zu schauen. Genauso wissen wir aber auch, ab wann ein In-die-Augen-schauen zu viel wird. Ein gesundes Empathievermögen, ein gesundes Wertesystem und ein gesundes Schamempfinden, was wiederum zu dem großen Thema Grenzen gehört, verhindern eben, dass wir andere Menschen mit unserem Blick piercen oder in die Enge treiben.

Kurz zur Erläuterung: gesunde Scham bedeutet die Wahrnehmung und Einhaltung von Grenzen. Sie hat noch andere Funktionen, aber wir beschränken uns für den Moment auf diese. Man kann gedanklich mal die Umkehrprobe machen: wie fühlen wir uns, wenn wir bemerken, dass wir die Grenzen anderer verletzt haben? Oder, wie würde ich mich fühlen, wenn ich einen anderen Menschen so anstarren würde?

In den meisten Fällen würden wir uns schämen.

Ein gesundes Schamgefühl verhindert also, dass wir sowas tun. Es gewährleistet, dass man die eigenen Außenkonturen und die eines anderen Menschen respektiert. Nicht so der Narzisst.

Empathische Menschen hingegen spüren, wann ein anderer Mensch im Gespräch vielleicht mit einer kleinen Gefühlsregung oder einer Reaktion, einen Augenblick lang, für sich sein muss und nicht angeschaut werden will. Wir sehen kurz weg, oder nehmen einen Schluck aus der Kaffeetasse und richten den Blick erst wieder auf das Gegenüber, wenn wir spüren, dass es für den anderen wieder angenehm ist. So starren wir beispielsweise Menschen, die weinen, nicht die ganze Zeit unverhohlen an. Also…Empathen tun das nicht.

Auch Blickkontakte unterliegen den Regeln der Rücksichtnahme.

Das heißt, im Gespräch oder auch in anderen Situationen, in denen wir zusammen sind, beim Essen etwa, starrt man einander nicht an.

Wie man sieht, gilt auch für Blickkontakte ein komplexes Regelwerk von ungeschriebenen Gesetzen, die wir, wenn wir halbwegs empathisch sind, befolgen. Sie dienen der Sicherheit und dem konstruktiven und rücksichtsvollen Zusammenspiel im menschlichen Miteinander.

Wer aber eine toxische Beziehungserfahrung hat, kennt diesen besonderen Blick des Partners, der vom Anschauen zum Anstarren übergeht, so dass es unangenehm wird.

Manchmal deuten wir das fehl: gerne denkt man zu Beginn der Beziehung noch, dieser Blick signalisiere ein Interesse an uns. Aber, dass das nicht ganz hinkommt, merkt man relativ bald. Vom Anderen kommt nämlich keine Regung oder Reaktion auf uns. Das Starren wird nicht unterbrochen durch eine beginnende Interaktion. Es kommt kein Lächeln, kein Wort, irgendwie gibt es keine Auflösung dieser befremdlichen Situation.

Wir bleiben bei diesem Blick stets ohne Orientierung darüber, was dieser Mensch da eigentlich genau anstarrt und warum er das tut.

Dieser Blick ist unverkennbar und unverwechselbar. Es ist fast ein Glotzen, ein Stieren, ein Fixieren, gelegentlich auch ein Mustern. Es wirkt unkontrolliert und manchmal hat dieser Blick etwas Hypnotisches.

Oft werden dabei die Augen dunkler oder auch richtig finster. Wir schauen dann erwartungsvoll oder fragend zurück, weil es uns kaum gelingt, diesen Blick zu verstehen, zu entziffern oder richtig zu interpretieren. Wir bleiben daran hängen. Ebenso lässt er uns hängen: er gibt uns einfach keinen erlösenden Hinweis auf den Hintergrund seines Verhaltens.

Das macht uns unsicher. Und damit beginnt der Stress: die stärkste Waffe des Narzissten, mit der er uns in den Überlebensmodus katapultiert.

Er bricht alle Regeln, die uns Sicherheit geben und überträgt toxische Scham.

Hauptcharakteristikum, also das, was diesen Blick so besonders und unverkennbar macht ist, dass er mit allen Regeln bricht, die wir kennen. Der Partner gibt uns im Moment des Starrens ein unangenehmes und unangemessenes Gefühl des Durchschautwerdens, mindestens aber der Befremdung und Verwirrung. Dieser Blick ist grenzüberschreitend und schamlos. Damit ist dieser Blick respektlos und deshalb so unangenehm.

Hier zeigt sich eine Facette von toxischer Scham. Wer die natürlichen Grenzen eines anderen Menschen nicht wahrnimmt und einhält, überträgt toxische Scham. Das kann man daran erkennen, dass man sich beschämt fühlt. Toxische Scham macht klein.

Dieser Blick löst das nicht immer aus, aber sehr oft.

Fassen wir zusammen, was einem Menschen fehlt, der dich so anstarren kann. Und wovon er zu viel hat:

Er weiß nicht, wann genug ist. Er nimmt deine Grenzen nicht wahr. Er selbst spürt seine eigenen nicht. Dem zufolge bringt er eine Grenzen-und Schamlosigkeit mit, die ihm dieses befremdliche Starren ermöglicht.

Auch scheint er keine Angst vor diesem Grenzübertritt zu haben, was wir natürlich bei Narzissten und Psychopathen flächendeckend finden können. Ihnen fehlt jedes Empathievermögen, was sich auch hier wieder zeigt. Ebenso fehlt ein Empfinden dafür, was gerade dran ist. Das wissen sie meist überhaupt nicht. Sie haben kein Gespür dafür, was man so bringen kann. Genauso wenig wissen sie, wie sie selbst, in diesen Situationen wirken. Das können sie deshalb nicht einschätzen, weil sie eine erheblich herabgesetzte Eigenwahrnehmung haben.

Das sind die Voraussetzungen, die jemand mitbringt, der sich so verhält.

Er starrt, wenn er unverarbeiteten Schmerz überträgt.

Es gibt es mehrere Gründe für das Starren. Viele Frauen in meinen Beratungen haben mir berichtet, dass dieser Blick, dieses Starren immer kurz vor einem toxischen Übergriff kam. Auch ich kann mich daran noch erinnern, dass ich auf diese Weise taxiert wurde. Vor vielen Jahren lebte ich in einer solchen Beziehung und kann diese Situationen noch heute vollständig aufrufen.

Unsere Partner sehen in diesen Momenten nicht mehr vertraut, freundlich oder zugewandt aus. Sie werden fremd und bedrohlich.

Ich wußte in diesen Momenten immer: es gibt ab jetzt nichts mehr, womit ich sein Herz erreichen kann.

Wenn ich diesem Blick ausgesetzt war, konnte ich die Uhr danach stellen: dann ging auf die eine oder andere Weise der toxische Zirkus los.
Genauso wurde ich dann auch angestarrt, wenn ich mich später quälte, wenn ich weinte, wenn ich mich um Kopf und Kragen fragte und um Erlösung bettelte. Nur Starren und Glotzen.

Toxische Partner scheinen sich in diesem Moment an unserem Schmerz zu weiden. Das ist auch nicht verwunderlich: im toxischen Übergriff übertragen sie ihren unverarbeiteten Schmerz auf uns. Während wir ihren Schmerz fühlen, empfindet der toxische Partner Erleichterung und Genugtuung.

Sie ziehen sich unsere Qualen rein.

Manchmal nehmen sie alles komplett über die Augen auf. Und dann glotzen sie.

Oft ändert sich ihr Aussehen dann nochmal: vielleicht wird ein Auge größer, als das andere, oder eines starrt leicht in eine andere Richtung. Man kann es sehen.

So erleben wir dieses Starren sowohl vor als auch während eines toxischen Übergriffs.

Das Starren vorher kommt dem Starren im Tierreich gleich, wenn die Raubkatze ein Beutetier fixiert, kurz bevor sie angreift.

Während des toxischen Übergriffs ist das Starren eher ein Sich-weiden-an; ein Reinziehen-von. Jeder Mensch, der quält, nimmt die Qualen des anderen Lebewesens mit angewidertem Genuss in sich auf.

Gelegentlich starren sie uns auch an, weil sie uns aufgrund ihres fehlenden Empathievermögens nicht einschätzen können. Sie mustern und taxieren uns, im Versuch, unser Verhalten, unseren Tonfall und unsere Mimik einordnen zu können. Dann sind sie unsicher, wie meistens, und suchen nach Anhaltspunkten, die bekannt sind, damit sie wieder festen Boden unter die Füße bekommen. Überflüssig zu erwähnen, dass das in die Hosen geht: ihr mangelndes Einfühlungsvermögen und die mangelnde Eigenwahrnehmung erlauben ihnen nur einen Tunnelblick. Sie schauen wie durch ein Schlüsselloch und sehen nichts. So kommt es immer wieder zu den Fehlinterpretationen unserer Person, den damit verbundenen Vorhaltungen  und blöden Sprüchen.

Im Starren übertragen sie genau diese Unsicherheit auf uns und machen uns dafür verantwortlich.

Es gibt noch zwei weitere Situationen, in denen sie Starren.

Auf meinem YouTube Kanal findest du viele weiterführende Videos zu den Themen Toxische Beziehung, Geliebte sein und Hochsensibilität.

Sie müssen das Verhalten authentischer Menschen studieren.

Narzissten und Psychopathen müssen immer wieder Menschen beobachten und studieren, um zu sehen, wie unauffälliges, soziales Verhalten geht.

Um sich sozial kompatibel und unauffällig verhalten zu können, muss man sich selber und damit den anderen spüren können. Das ist auch die Voraussetzung für eine echte Gewissensbildung.

Unsere toxischen Partner haben genau das nicht. Sie fühlen Menschen und Situationen einfach nicht.

Worauf sind sie dann angewiesen? Sie müssen sich Verhalten abkucken.

So erwerben sie unauffälliges soziales Verhalten einzig durch Beobachtung. Sie schauen unter anderem: Wie verhält sich ein Empath oder ein sympathischer Mensch in dieser oder jener Situation? Wie verhält er sich in dieser oder jener Stimmung oder Verfassung? Wie sieht authentisches Agieren aus? Welche Reaktion gehört wohin? Und wie genau muss das rüberkommen?

Durch ihre Beobachtungen wissen sie genau, wie alles aussehen muss und können oft Gefühle am Ende besser spielen, als ein empathischer Mensch sie wirklich empfindet.

Zwei Drittel von Hollywood sind solche Typen: das ist es, was die sogenannten hervorragenden und charismatischen Schauspieler ausmacht. Vom wirklichen Fühlen, Spüren und Empfinden wird man kaum ein Schauspieler. Sie sind so gut, weil sie nie etwas anderes gemacht haben, als zu Beobachten und zu Kopieren. Narzissten sind Schauspieler und viele Schauspieler sind Narzissten. Sie studieren dich.

Manchmal tun sie das ganz lange, ganz intensiv und, kommen wir zum letzten Punkt: ohne zu merken, dass sie es überhaupt tun.

Sie können so starren, weil sie es können. Weil sie schlichtweg nicht merken, dass sie’s tun. Ihre Eigenwahrnehmung ist so schlecht, dass sie das nicht mitkriegen. Ebenso wenig merken sie, wie penetrant und unangenehm das für ihr Gegenüber ist.

So gern sie kontrollieren, aber das haben sie nicht unter Kontrolle.

Das sind die Umstände und Hauptgründe, warum sie starren.

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Tanja Grundmann

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Seit 28 Jahren berate ich Menschen in allen Beziehungsfragen. Ich helfe in großen und kleinen Lebenskrisen und habe manchen durch die dunkle Nacht der Seele begleitet.
Einen Themenschwerpunkt in meinen Beratungen stellen die toxischen Beziehungen dar: mit einer von mir entwickelten Vorgehensweise habe ich vielen Menschen helfen können, in ihre eigene Kraft zurückzufinden und eine toxische Beziehung verlassen zu können.

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