Mindgames – Meister der Manipulation

Mindgames

„Du könntest 20 Jahre lang mit einem Psychopathen verheiratet sein, ohne wirklich zu wissen, wie er tickt.“ sagt der amerikanische Psychologe Paul Babiak. Sie sind nicht richtig wahrnehmbar, greifbar. Kaum denkt man etwas über sie; meint, man wisse, wen man vor sich habe, changiert ihr Verhalten. Dauernd hat man eine Art Doppelbild: mal ist er der klügste, reifeste und empathischste Mensch, der einem je begegnet ist, dann wieder hat man den Eindruck, er sei hart, nicht fühlend und grausam. Das erleben Frauen vielfach in Beziehungen mit Männern mit dieser Grundstruktur.

So, wie sie in Beziehungen Vitalität, Gefühle und mitunter Bankkonten plündern, so hinterlassen sie auch in der Arbeitswelt oftmals nur Chaos, vergiftete Atmosphäre, zerstörte Teamstrukturen und Mobbing. 

Ihre geschickten Täuschungsmanöver erlauben es ihnen in ihrem Tun weitgehend unerkannt zu bleiben. Verdachtsmomente wehren sie geschickt ab; sie sorgen immer weder dafür dass ihr Gegenüber ihnen mehr glaubt, als sich selbst. Auch dann, wenn zwischen dem, was sie sagen und dem, was sie tun eine Riesenlücke klafft. Das ist eine Beobachtung, die vor allem in Partnerschaften gemacht wird. 

Aber, wie manipulieren sie ihre Partnerinnen, die durch die Bank weg, kluge, fühlende und differenzierte Frauen sind?

Die Antwort ist einfach: sie erzeugen permanenten Stress in ihrem Gegenüber (beschrieben im Artikel: Toxische Beziehungen – Wenn Deine Partnerschaft Dich krank macht) und sie spielen sogenannte Mindgames. 

Mindgames sind Spiele mit dem Verstand und mit der Wahrnehmung ihres Gegenübers. Mit Hilfe der Mindgames können sie alles verdrehen: Erinnerungen, Wahrnehmungen, Dinge, die gesagt worden sind, Dinge, die vorgefallen sind und am liebsten, alles, worauf sich die Partnerin bezieht und verlässt. Sie machen das immer dem Bildungsstand und dem persönlichen Entwicklungsstand der Partnerin entsprechend, so dass sie selbst es nur sehr schwer als Manipulation entlarven kann. Und wenn doch, wird es zur Not unter Androhung von Trennung geleugnet und als Unterstellung deklariert. Oder es gibt Blumen und Krokodilstränen; genau das, was die Partnerin braucht, um ihm mehr zu glauben, als sich selbst.

Die Liste an Mindgames und Methoden, mit denen er seine Partnerin emotional an ihre Grenzen und damit unter Kontrolle bringt sind vielfältig; von grob bis subtil, von laut bis ganz leise, von vorwurfsvoll bis freundlich – ich werde sie hier nicht alle aufzählen können. Aber die Auswahl, die hier getroffen wird, soll die „Machart“ beschreiben und Rückschlüsse auf Verhaltensweisen, die aus den genannten Mindgames hervorgehen, zulassen.

Grundlage aller Mindgames und Methoden der Manipulation sind die in Die Andersartigkeit des Soziopathen beschriebenen Charakteristika: fehlendes Empathievermögen/Mitgefühl, keine Angst jemanden zu verletzen, fehlene Fähigkeit zur Reue, kein Gewissen, inneres Chaos, aussergewöhnlich gute Beobachtungsgabe und ein gigantomanisches schauspielerisches Talent.

Mindgame: Crazymaking – Verrücktmachen

Wenn Du in Deiner Beziehung zunehmend das Gefühl hast, Du müsstest Buch darüber führen, wer wann was gesagt hat; wenn Du darüber nachdenkst, bei Unterhaltungen Dein Smartphone mitlaufen zu lassen; wenn Du immer wieder Deine geistige Gesundheit infrage stellst, oder Dich fragst, wer von Euch beiden eigentlich spinnt, kannst Du davon ausgehen, dass Du emotional und/oder mental manipuliert wirst. Diese Art des Verrücktmachens drückt sich oft dadurch aus, dass der Toxische Partner etwas sagt und später behaupet, er habe das nicht gesagt. Und Du weisst zunächst genau, dass er es gesagt hat. Er wird Dir solange das Gegenteil „klarmachen“, bis Du ihm mehr glaubst, als Dir selbst. Und wenn Du es nur tust, um Frieden zu wahren. 

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Genauso geht er oft auch mit gemeinsamen Erinnerungen um. Eure Erinnerungen sind entweder nie deckungsgleich (ich spreche hier mal nicht von den Feinheiten des unterschiedlichen inneren Erlebens, sondern von harten Fakten). Immer war alles ganz anders oder – grosse rote Flagge – er erinnert sich nicht mehr. Toxische Partner haben in der Regel ein auffallend schlechtes Gedächtnis, wobei man auch hier nie ganz genau weiss, ob das gerade vorgeschoben ist, oder, ob er es wirklich nicht mehr weiss. Da er auch dafür die Verantwortung nicht wirklich übernehmen wird (ausser vorgeschoben, weil er Dich gerade mal wieder in „Sicherheit“ wiegt), bleibst Du immer allein mit losen Enden in der Hand. Du weisst noch genau, wie es war, aber, wenn dieser Mann, den Du für klug und sensibel hälst, es ganz anders erinnert, dann stimmt wohl mit Dir etwas nicht. Es bleibt immer irgendwie auf Dir hängen und unterwandert mit und mit Dein Vertrauen in Deine Wahrnehmung, Dein Erinnerungvermögen und Deine Integrität. Langsam überträgt sich sein inneres Chaos auf Dich. 

Crazy people make people crazy.

Mindgame: Gaslighting

Auch das ist eine Strategie mentalen Missbrauchs. Sie ähnelt dem Crazymaking, besteht jedoch nicht nur aus dem Leugnen, sondern aus dem Verzerren und Verdrehen Deiner Inhalte und Erinnerungen. 

Der Begriff stammt aus der Filmwelt. 1944 erschien der Film Gas Light mit Ingrid Bergmann. Der Film handelt von einem Ehemann, der seine Ehefrau systematisch in den Wahnsinn treibt. Dazu manipuliert er das Gaslicht des Hauses, erzeugt unheimliche Geräusche und leugnet das Vorhandensein der Phänomene im Haus. Nachdem er ihr zunehmend glaubhaft macht, dass sie sich das einbildet, verliert seine Frau nach und nach den Verstand; niemand glaubt ihr mehr.

Gaslighting ist eine Strategie, mit der man den Realitätssinn eines Menschen unterwandert und zerstört.

Mindgame: Die Andere

Viele dieser Männer lassen ihre Partnerin im Unklaren über die Art der Beziehung zu einer anderen Frau. Oft ist das eine konkrete Frau, zB eine geschiedene Frau oder ihre letzte Partnerin. Oder es ist eine „gute Freundin“, oder es sind andere Frauen, nach denen er schaut. 

Jenachdem, ob er gerade Frieden mit seiner aktuellen Partnerin zelebriert, kann es sein, dass er versichert, dass er mit seiner Expartnerin auch wirklich abgeschlossen hat. Er wolle ein gutes Verhältnis zu ihr wahren und sich ab und an um sie kümmern, wenn sie Bedarf habe. Deshalb gibt es Kontakte, aber nichts, was der aktuellen Beziehung im Weg stünde; nichts, was Missverständnisse oder Unklarheiten aufwerfe. Und dann, wenn seine Partnerin sich auf seine Aussagen verlässt und sich sicher fühlt, wird er ihr Sicherheitsgefühl torpedieren. Indem er etwas zu vertraut mit der Exfrau telefoniert (vielleicht nur indem er bestens gelaunt mit dem Telefon ins Nachbarzimmer verschwindet), indem er eine Bemerkung macht, sowas wie: „Irgendwie traurig, dass wir nicht mehr zusammen sind!“, indem er sich mit einer Frau verabredet, die seine Partnerin nicht kennt, indem er sich nach anderen Frauen umschaut oder flirtet, indem er etwas zu vertraulich oder distanzlos mit einer „Freundin“ umgeht.

Es geht darum, dass er immer wieder die partnerschaftliche Intimität und Versehrtheit Eurer Beziehung infrage stellt und verletzt. Er schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Du gerätst unter Stress und fühlst sich erniedrigt und – er bekommt Dich auf fieseste Weise unter Kontrolle. 

Viele Frauen berichteten, dass sie ihn nicht verlassen können, weil sie das Gefühl haben, „die Nächste“ steht schon vor der Tür. Paradoxerweise kann man schlechter aus einer Beziehung raus, wenn man den Eindruck hat, der Partner könne sich gleich wieder neu binden oder aber sich zumindest mit anderen Frauen amüsieren.

Nicht selten sorgt er dafür, dass seine Expartnerin sich auch noch Hoffnung auf eine erneute Beziehungsoption mit ihm macht und hält sie „warm“. Diese Frauen sind oft nicht richtig informiert darüber, dass er neu gebunden ist. Sie nehmen Dich als neue Partnerin nicht richtig ernst, weil er seine neue Beziehung als nicht ganz ernst darstellt. Natürlich spürst Du intuitiv, dass da etwas im Gange ist, das nicht fair und nicht transparent ist.

So bekommt er Zuwendung und Loyalität satt und genug von zwei Seiten; beide Frauen können nicht loslassen.

Auf meinem YouTube Kanal findest du viele weiterführende Videos zu den Themen Toxische Beziehung, Geliebte sein und Hochsensibilität.

Mindgame: Schuld und Scham

Der toxische Partner wird dafür sorgen, dass Du Dich für alles schuldig fühlst. Nie bist Du genug, nie reichen Deine Bemühungen. Wenn doch, dann nur kurz in den Momenten, in denen er Dich idealisiert, um die Fallhöhe zu vergrössern – von der er Dich in wenigen Augenblicken herabsausen lässt.

Er wird Dich tadeln für Deine Bemühungen, weil sie nicht reichen, oder weil es nicht die Richtigen waren, er wird Dich tadeln, weil Du zu emotional oder nicht emotional genug bist, er wird Dich tadeln, weil Du Dinge in Deiner Wohnung hast, die ihm nicht gefallen, er wird Dich tadeln, weil Du zu offen bist oder weil Du nicht offen genung bist; er wird Dich tadeln, weil Du Du bist, und weil an Dir eigentlich nichts richtig ist. Für seine eigenen Unzulänglichkeiten übernimmt er keine Verantwortung; im Zweifelsfall liegt es an Dir und er schafft viele dieser Zweifelsfälle. Damit sichert er sich zwei Vorteile. Erstens: er braucht seine Fehler und Entgleisungen nicht einzugestehen. Zweitens: er ernährt sich von Negativzuwendung, die zB. durch Streit, Spannung und Konflikt entsteht. Deine Erkärungsversuche, Deine Verteidigung, Deine Not und Deine verzweifelten Versuche die Situation aufzuklären, geben ihm genau diese Energie. Aufklärung, Frieden und Heilung ist nicht das, was er will. Es ist die Aufmerksamkeit, die er bekommt, wenn er die Probleme verursacht; wenn er Dich niedermacht und beschuldigt. Das ist das, was er haben will.

Er wird leugnen, dass er sowas macht und Dich beschuldigen, dass Du ihn nicht richtig wahrnimmst und ihn versuchst zu manipulieren. Überhaupt wird er Dir mit der Zeit alles vorgeworfen haben, was er selber macht. Wenn Du eine akkurate Beschreibung seiner Person haben willst, dann bekommst Du sie, indem Du alles aufschreibst, was er Dir je vorgeworfen hat. 

Er wird Dich beschämen, indem er Dir alle Deine Fähigkeiten abspricht oder sie zumindest kleinmacht, und Dir dann vorwerfen, Du bräuchtest Claqueure, wenn Du dich dagegen wehrst. Er wird sein Dich-Kleinmachen als konstruktive Kritik deklarieren und Dir jede Reife absprechen, wenn Du verletzt reagierst. Dabei bist Du ein Mensch, der sogar sehr gut mit Kritik umgehen kann. Genauso bist Du auch in vielen anderen Dingen nicht kleinlich oder vereinnahmend. Er wird jedoch alles so verdrehen, dass er all Deine besonderen Eigenschaften, Deine Grosszügigkeit, Deine Gesprächsbereitschft und Deine Toleranz, ins Gegenteil verkehrt. Wenn es schlecht läuft, wirst Du am Ende selber denken, Du hättest das alles verloren. Übrig bleibt ein tiefes Gefühl von Unzulänglichkeit und damit Schuld und Scham.

Mindgame: Er kämpft mit unlauteren Mitteln.

Ein Soziopath ist nie direkt und kann Direktheit von der Partnerin nicht vertragen. Selten wird er auf eine direkte Frage antworten (das leugnet er selbstverständlich….natürlich kann man ihn alles fragen; wenn er nicht direkt antwortet liegt das an der Kommunikationsunfähigkeit seiner Partnerin. Is klar.) Auf direkte, berechtigte Fragen reagiert er wie ein Vampir auf Sonnenlicht; er kann es ganz offensichtlich nicht ausstehen.

Er macht Bemerkungen, kritisiert und macht kryptische Ansagen. Auf die Nachfragen der verunsicherten Partnerin antwortet er gerne mit weiteren Bemerkungen, die sie verunsichern, mit Silence-Treatment, also Schweigen; mit einem bedeutungsschwangeren „denk-mal-drüber-nach“ oder auch mit haltlosen Vorwürfen. Er lügt und spielt den ehrlichsten-Menschen-der-Dir-je-begegnet-ist, und weil Du so anders bist als er, hälst Du eine solche Unverfrorenheit schlichweg nicht für möglich und glaubst ihm. Es ist manchmal fast so, als würde er Dir sein komplettes inneres Chaos übertragen, dafür Deine Anständigkeit und Integrität stehlen und sich damit schmücken.

Er kontert, arbeitet mit Vorenthaltungen, Abwehr und Entwertung, Leugnen, Anklagen, Vergessen, überzogenen Forderungen, verletzenden Witzen und unangemessenen Schuldzuweisungen. Da er keine Angst hat seine Partnerin zu verletzen und in Not zu bringen, kann er sich zurückziehen und sie mit ihrer Traumatisiertheit alleinlassen und dann in Ruhe darauf warten, dass sie in Panik um Verzeihung bettelt, für Dinge, die sie nicht gemacht hat. Oder Ihr Ausrasten, was mit zunehmender Beziehungszeit immer öfter kommt, kritisieren oder es einfach still geniessen.

 

Fotos:

mickmorley / photocase.de

Frau Kapunkt / photocase.de

Beitragsbild:

mickmorley / photocase.de

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Tanja Grundmann

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