8 Zeichen, an denen du emotionalen Missbrauch in der Beziehung erkennst

Lange hatten wir dafür keine Worte; kein richtiges Vokabular: Schleichendes Unwohlsein in Beziehungen, zunehmende emotionale Not; das Gefühl den Boden unter den Füssen zu verlieren, extreme Berg- und Talfahrt und die folgende emotionale, körperliche und mentale Erschöpfung.

Heute haben wir Namen dafür: Emotionale Misshandlung, emotionale Kontrolle, toxische oder giftige Beziehungen, narzisstische Beziehungen, Beziehungen zwischen Empathen und Psychopathen.

Emotionaler Missbrauch ist Bestandteil dieser giftigen Beziehungen und geschieht immer da, wo einer der Partner oder beide, die Verantwortung für ihre Gefühle nicht übernehmen. Verdrängte Ängste, Schuldgefühle und unverarbeiteter Schmerz werden auf den Anderen übertragen.

Man kann nicht verdrängen, ohne auf andere zu projizieren.

Das ist eine Art unbewusster Entsorgungsmechanismus: ich lasse dich spüren, was ich nicht fühlen will – damit ich es loswerde.

Das ist jedoch immer nur in Verbindung mit manipulativem Verhalten möglich.

Unter Manipulation versteht man das Täuschen eines Anderen zur eigenen Vorteilnahme. Teil des manipulativen Tuns ist auch seine Vertuschung: der manipulierte Mensch bemerkt die Täuschung nicht oder er kann die Quelle der Einflussnahme lange nicht ausfindig machen.

Deshalb ist es so schwer, emotionalen Missbrauch zu erkennen, während er gerade stattfindet. Die manipulativen Strategien verhindern, dass man die Übertragung von unerlöstem Schmerz als solche erkennen kann.

Wer in einer Beziehung steckt, in der er oder sie sich emotional missbraucht fühlt, steht immer auf irgendeine Weise unter emotionaler Kontrolle. Man kann es auch Erpressung nennen; der Subtext heißt: „Du musst genau so sein, wie ich dich haben will. Sonst verlasse ich dich. Sei froh, dass wenigstens ich dich liebe.“

Fatalerweise sind die damit verbundenen Vorgaben nicht einmal erfüllbar. Und: erste rote Flagge – sie wechseln auch noch ständig; was gestern noch erwünscht war, kann heute zu einer Trennungsandrohung führen.

Manipulative Menschen müssen andere herunterziehen, um sich besser zu fühlen. Und damit der Partner das nicht merkt, wird gelogen, verbogen, getäuscht und verwirrt.

Hier sind 8 Merkmale, an denen du erkennen kannst, ob du in einer manipulativen und emotional missbräuchlichen Beziehungssituation steckst.

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1. Du fragst dich ernsthaft, ob du spinnst

Ein Partner, der dich emotional missbraucht, wird deine Wahrnehmung der Dinge, dein Denken und Fühlen immer wieder verdrehen. Und zwar so, dass du zunehmend das Vertrauen in dein Erinnerungs -und Urteilsvermögen verlierst und sein Tun nicht erkennst. Vor allem, wenn er dich verletzt hat und du eine Klärung brauchst, wird er dir das Wort im Mund herumdrehen. Er wird dir aufzeigen, dass eigentlich du ihm das antust, was du ihm gerade vorwirfst. Weil du den ständigen Stress fürchtest und Angst hast, er könnte dich verlassen, nimmst du es immer öfter auf dich. Auch wenn du nicht weisst, was du falsch gemacht haben sollst. Nur um den Frieden wieder herzustellen. Das führt dazu, dass du dir selbst zunehmend weniger vertraust und glaubst.

2. Du erleidest ständigen Wechsel zwischen Himmel und Hölle

Manipulative Menschen geben ihren Partnern das Gefühl, dass die Beziehung etwas ganz Besonderes sei; ein intensives Wir-Gefühl entsteht, in welchem man sich sicher und gut aufgehoben fühlt. Dann, scheinbar aus dem Nichts, kippt die Stimmung und plötzlich machst du in seinen Augen nichts mehr richtig; schlimmer: du bist nicht mehr richtig. Die intensive Nähe ist nicht mehr auffindbar, alle Vertrautheit verschwunden; die Sicherheit weg: die emotionale Falltür unter dir ist aufgegangen.

Nach einer Phase des Schmerzes und der Verlustangst, wendet er sich dir wieder zu und alles scheint in Ordnung zu sein. Dieser Wechsel wiederholt sich durch die ganze Beziehungszeit hindurch.

Zurück bleibt die quälende Frage: Ist diese Beziehung das Beste oder das Schlimmste, was mir je passiert ist? Diese Frage lässt sich lange nicht beantworten.

3. Du hast das Gefühl, dass sich alles nur noch um die Beziehung dreht

Zu Beginn einer Partnerschaft ist es normal, dass man sich mehr miteinander und weniger mit dem Umfeld beschäftigt. Man muss einander kennenlernen.

Mit der Zeit justieren sich die Dinge neu: die Partner stellen sich aufeinander ein und integrieren Alltag und Umfeld in die neue Partnerschaft. Nach ein paar Monaten; spätestens nach dem ersten Beziehungsjahr ist dieser Integrationsprozess abgeschlossen. Nicht so in einer Partnerschaft, die von emotionalem Missbrauch lebt. Wenn du das Gefühl hast, dass du innerlich immer mit deinem Partner und seinen Belangen beschäftigt bist und dich das davon abhält, Dinge zu tun, die dir immer wichtig waren, spricht das dafür, dass dein Partner und die Beziehung erheblich mehr Aufmerksamkeit fordern, als es dir gut tut.

4. Deine anderen Beziehungen haben sich verschlechtert

Hast du kaum noch Zeit für Freunde oder Familie? Meidest du den Kontakt zu deiner besten Freundin, weil dein Partner sie ablehnt? Oder weil du Sorge hast, sie könnte erkennen, dass mit deiner Beziehung etwas nicht stimmt? Sagst du Treffen ab, weil du Angst hast, dass er ungehalten reagiert; oder weil du schlecht aussiehst?

Wenn du merkst, dass du vieles geheim hältst; dich manchmal sogar vor deinem Umfeld versteckst, dann ist in der Beziehung etwas im Gang, was dich über jedes gesunde Maß konsumiert.

5. Irgendwie bist du immer schuld

Manipulative Menschen haben unterschwellige Schuldgefühle, die ihnen meistens nicht bewusst sind, und für die sie keine Verantwortung übernehmen. Sie übertragen ihre eigenen Unzulänglichkeits- und Minderwertigkeitsgefühle auf ihre Partner. Man fühlt sich kleingehalten; nicht genug.

Der Partner, der missbraucht, kann verletzen, ungerecht sein, emotional misshandeln, fremdgehen oder sich sonstwie unangemessen verhalten: immer liegt es am Anderen.

Hat ein manipulativer Mensch verletzt, so wird er oder sie auch dafür keine Verantwortung übernehmen, sondern dem Anderen genau das vorwerfen, was er selbst verbockt hat.

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6. Die Selbstachtung schwindet

Emotionaler Missbrauch und Instrumentalisierung erzeugen immensen psychischen Stress. Besonders ehemals schwer traumatisierte Kinder kommen als Erwachsene in einen gefühlten Überlebenskampf: es geht plötzlich um alles. In diesem Überlebensmodus ist man kaum noch in der Lage, sich selbst in den orientierungsgebenden Feinheiten zu spüren: die innere Stimme, die kleinen Impulse, die einem signalisieren, dass etwas nicht stimmt. Stattdessen geht unsere Aufmerksamkeit nach außen. Und was passiert? Wir versuchen unseren Halt über den Anderen zurückzuerlangen und tun, was er oder sie verlangt, damit dieser furchtbare Stress aufhört. So bedienen und befriedigen wir den Anderen, so absurd seine Forderungen auch sein mögen. Wir entschuldigen uns für Dinge, die wir nicht getan haben; nur damit der Unfriede aufhört und der Andere einem wieder gut ist. Das tun wir in unserer emotionalen Not wider besseren Wissens und gegen unseren Willen. Diese Mechanismen zerstören zunehmend unsere Selbstachtung.

7. Du hast das Gefühl, dass du für beide weinst

Emotionaler Missbrauch entsteht aus der Notwendigkeit, unbewussten Schmerz auf Andere übertragen zu müssen. Ob man eine solche Übertragung erleidet, merkt man daran, dass man oft sehr verletzt wird und dann immer wieder in einen psychischen Schockzustand gerät. Es folgt stunden-bis tagelanger starker psychischer Schmerz. Wenn du schonmal das Gefühl hattest, dass du für zwei leidest, dass du die Tränen des Anderen mitweinst, dann glaube dir. Denn es stimmt. Übertragung fühlt sich so an.

8. Es reicht nie, was du tust

Wenn dein Partner dir gerade wieder den Status der Besondersten-Frau-die-er-je-hatte aberkannt hat, wirst du merken, wie du wieder pausenlos damit beschäftigt bist, zu überlegen, wie du Dinge besser machen kannst. Wie du die Frau sein kannst, die er sich wünscht. Und zwar damit die Kritik, das Missverstandenwerden und die Diskussionen darüber, was an dir nicht richtig ist, aufhören.

Du „arbeitest“ an dir und versuchst zu verstehen, wie er „funktioniert“. Wenn du die Idee hast, es müsse eine Methode geben; einen Trick, mit dem du gelassener mit seinen toxischen Attacken, Vorwürfen und Subtilitäten umgehen kannst; so dass dir das weniger ausmacht, dann bist du mitten im emotionalen Missbrauch. Eine gesunde Beziehung macht das nicht mit dir.

Wenn du das kennst, dann macht dir gerade jemand klar, dass du nie genug bist; dass du als Mensch nicht reichst und, dass deine Leistungen nicht gut genug sind. Und dass man mit dir eigentlich gar nicht sein kann.

Man kann das nicht bedienen oder händeln. Es ist nicht vorgesehen; wer unbewusste emotionale Landung loswerden muss, wird solange verletzen, bis es funktioniert.

Es geht beim Missbrauch nie um gegenseitiges Verstehen. Einem manipulativen Menschen geht es um die Aufmerksamkeit, die er bekommt, wenn er dich verletzt!

Emotionaler Missbrauch liegt schon bei Zutreffen einer der 8 genannten Kriterien vor.

Die gute Nachricht ist: er lässt sich beenden, auch so, dass er nie mehr möglich ist. Aber dafür muss der erste Schritt getan werden – man muss ihn erkennen und vor sich selbst zugeben.

Fotos: Tanja Grundmann

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Tanja Grundmann

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11 Antworten

  1. Ich muss sagen mir hat sich wirklich der Magen umgedreht, beim Lesen. Alle 8 Punkte treffen auf meine letzte Beziehung zu und ich bin so froh, den Absprung geschafft zu haben. Es war irre schwer, aber jetzt geht es mir so viel besser
    ohne ihn.. Ich war so unglücklich, dass ich mich gegen Ende der Beziehung umbringen wollte. Fast hätte ich es geschafft, aber das war wirklich das Zeichen für mich, dass es so nicht mehr weiter geht. Gegen Ende wurden die Affären immer offensichtlicher. Ich wurde nur noch angeschrieen und beleidigt, ich wurde fertig gemacht sondergleichen, wenn ich ihn darauf angesprochen habe. Ich kann jedem nur empfehlen diesen Schritt zu gehen und die Beziehung zu beenden.. toller Artikel, welcher mir geholfen hat, vieles rückblickend besser zu verstehen.

  2. Ich danke Ihnen für den interessanten Artikel. Das ist durchaus ein existierendes Problem, welches selten angesprochen wird. Man sollte aber darüber sprechen als alles in sich hineinzufressen.
    Mit besten Grüßen
    Sina

  3. Hallo,, ich bin erschüttert. Beim Lesen wurde mir wirklich schlagartig klar, in welcher Situation ich schon viele Jahre lebe. Mein Leben lief plötzlich wie ein Film vor mir ab. Und ich bin so froh, dass ich diese Info gefunden habe. Und jetzt ist mir auch klar, was ich ändern muss, damit ich mich nicht selbst aufgebe und zukünftig ein lebenswertes Leben führen kann. Es hat lange gedauert, das zu verstehen. Vielen, vielen Dank für diese verständliche und zur Selbsteinsicht führenden Inhalte.

  4. Danke für die harte, schonungslose Aufklärung! Ich ging acht Jahre als Mann und psychisches Wrack, geschädigter durch die Ehehölle! Erschreckend dass ich erst im Endstadium meiner Ehe von solchen Menschen las verbunden mit Narzissmus in Höchstmass. Wir werden nächstes Jahr geschieden, acht Jahre zu spät..Ich habe wertvolle Jahre verloren die nicht mehr zurück kommen! Narzissten lassen scheiden…weil sie zu feige sind.. Ich habe die Hölle hinter mir, schrieb alle Demütigungen auf 80 Seiten Papier auf und wurde dafür noch erniedrigt! Muss in therapeutische Behandlung da ich Nachts nur vier Stunden schlafe.. Ich war an allem ..daran Schuld, konnte nichts, bin ein Versager, zu dumm für alles…!

    1. Ich hatte eben genau die gleiche „Offenbarung“.. Bzw. Wusste ich es vorher eigentlich schon.. allerdings habe ich nie die Kraft oder den Mut gefunden, den letzten Schritt zu gehen und die Beziehung nach 5 Jahren zu beenden.. ich weis nicht mal ob ich es jetzt schaffe.. 🙁

  5. Hallo, noch ein Mann der das erlebt hat in dem Fall mit einer von zwei Mitbewohnerinnen.
    Komme gerade zur Akzeptanz damit was da passiert ist und wie sehr das mein Leben belastet hat.
    Danke für diese außergewöhnlich gute Ausarbeitung.
    Das wird mir sehr helfen dabei aus dem erlebten zu lernen und zukünftige Erlebnisse verwandter Art zu vermeiden.

    Das mit dem abwesenden Gendern find ich witzig das es mal in unsere Richtung passiert.
    Ich würds nicht ändern hat mich zum denken angeregt.

  6. Was hier beschrieben wird erlebe ich als Mann zu 95 % eins zu eins. Männer fühlen und denke nicht so viel anders, aber sie sind oft in einer anderen Position, beruflich bedingt..Aber ich muss Ihnen erlich sagen, auch als Mann fühle ich mich
    gegüber meiner Frau oft hilflos ausgeliefert. Dem Frieden zu liebe gebe ich nach, aber nur wegen dem 15 jährigen Sohn. Oft denke ich, in der Hölle kann es nicht schlimmer sein.

    1. Männer erleiden das auch. Aber das muss man gesondert erklären; Männer reagieren anders, funktionieren anders und leiden anders. Das kann man nicht über einen Kamm scheren. Ich kenne mich mit Frauen besser aus und habe deshalb keinen Grund alle Texte auf Männer umzuschreiben. Ich berate Männer auch, aber ich schreibe nicht für sie.

  7. Eine sehr gute Seite mit hilfreichen Artikeln, ich stecke genau in einer dieser beschriebenen Situationen fest und bin froh diese Seite gefunden zu haben. Da er sich immer sicherer wird, wird er aber gleichzeitig auch unvorsichtiger und ich merke dass er mir verstärkt dass er mir Fehler und Schuld unterjubeln will. Inzwischen bin ich dabei mir Hilfe zu suchen und nach Lösungen um aus dieser Situation so gut und so schnell wie möglich heraus zu kommen.

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